Landesverband Hessen e.V. des Deutschen Journalisten-Verbandes

 

 

Medienhaus Südhessen schließt fast alle Kundencenter - DJV sieht Entwicklung "mit großer Sorge"

16.07.2009 DARMSTADT.  Das Medienhaus Südhessen ("Darmstädter Echo") will fast alle Kundencenter im Verbreitungsgebiet schließen. Diese Entscheidung hat Verleger Hans-Peter Bach auf einer Betriebsversammlung bekannt gegeben. Geplant ist demnach ein Rückzug aus der Fläche; erhalten bleiben lediglich die Kundencenter in der Darmstädter Innenstadt und im Verlagshaus in der Holzhofallee. Neue Anlaufstellen für Anzeigenkunden sollen in Kooperation mit dem Einzelhandel geschaffen werden, wie Teilnehmer der Betriebsversammlung berichteten. Geplant seien sogenannte Shop-in-Shop-Lösungen, wie sie die Deutsche Post vielerorts nach der Schließung von Filialen eingerichtet hat.

Die Maßnahme soll den Angaben zufolge "zeitnah" umgesetzt werden. Sie ist Teil eines Sparpakets, mit dem das Verlagshaus auf schmerzhafte Rückgänge der Erlöse im Zuge der Wirtschaftskrise reagiert. In diesem Zusammenhang soll auch das redaktionelle Angebot leicht eingeschränkt werden. So soll ab Herbst die Fernsehbeilage der Echo-Zeitungen gestrichen werden; eine weitere Beilage, die bislang freitags erscheint und unter anderem aktuelle Kinokritiken enthält, soll in die Wochenendbeilage integriert werden. Eine Verkleinerung der Redaktion ist nach Angaben der Verlagsleitung nicht geplant.

Der Betriebsrat des Medienhauses Südhessen rechnet damit, dass die Schließung der Kundencenter etwa 20 Kündigungen nach sich zieht. Für das gesamte Haus hat die Geschäftsführung einen Einstellungsstopp verhängt. Frei werdende Stellen sollen "in der Regel" nicht mehr neu besetzt werden. Weitere Maßnahmen würden geprüft, hieß es.

Die Echo-Zeitungen aus dem Medienhaus Südhessen erreichen derzeit eine verkaufte Auflage von etwas mehr als 90000 Exemplaren. Neben Verlag und Zentralredaktion in Darmstadt unterhält das Haus Außenstellen mit Kundencentern und Redaktionen in Erbach im Odenwald und Heppenheim an der Bergstraße sowie in Rüsselsheim und Groß-Gerau.

Der DJV Hessen betrachtet diese Entwicklung in Südhessen "mit großer Sorge". Landesvorsitzender Hans-Ulrich Heuser erklärte, dass damit dem Billigjournalismus Tür und Tor geöffnet werde. Außerdem sei damit eine einseitige Berichterstattung aus Parteien, Vereinen, Gemeinden und Verbänden vorprogrammiert, die jegliche journalistische Neutralität außer acht lasse. (red). +++