Landesverband Hessen e.V. des Deutschen Journalisten-Verbandes

 

 


Hessen warben auf Römerberg für DJV-Tarifziele
Bundesweit heute Warnstreiks und Kundgebungen


27.10.2008 FRANKFURT/MAIN.  "Qualität gibt es nicht zum Nulltarif – unsere Arbeit ist mehr wert". Unter diesem Motto haben Tageszeitungsredakteure aus Hessen auf dem Frankfurter Römerberg am vergangenen Samstag (25. 10.) gegen das Angebot der Verleger in den Tarifverhandlungen protestiert und für den Erhalt des Flächentarifvertrags demonstriert. am Gerechtigkeitsbrunnen machten sie mit dem Verteilen von Flugblättern, bunten "Zeitungs"-Enten und natürlich frischen sauren Äpfeln vor allem auf eine steigende Tendenz aufmerksam: immer mehr Verlage würden sich aus der Verantwortung stehlen und einseitig von den Tarifverträgen verabschieden. "Die Zahl der OT-Betriebe hat zwischen Kassel und Darmstadt eine alarmierende Zahl erreicht".

DJV-Mitglieder aus den Ortsverbänden Frankfurt, Darmstadt, Hanau und Fulda verteilten deshalb Informationen und „saure Äpfel" sowie Zeitungsenten an die Passanten. Die hessischen Zeitungsleser nahmen gerne an der Aktion teil. „Viele haben sich solidarisch erklärt und mitgemacht", berichtete Thorsten Becker, der Sprecher des DJV-Bundesfachausschusses Tageszeitungen. Denn am Ende sollen nicht Journalisten diejenigen sein, die in den sauren Apfel der Verleger beißen.


"Zeitungen sollen auch künftig Profis machen"

Guten Journalismus gebe es eben nicht zum Dumping-Preis. Und den Verlegern gehe es nicht schlecht. "Aber wenn sie weiter knausern, sparen sie ihre Zeitungen kaputt" meinte Becker. Das dürften die Journalisten nicht zulassen. Im Deutschen Journalistenverband (DJV) kämpften fast 40.000 hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten im Interesse von Lesern, Hörern und Internet-Nutzern auch für Pressefreiheit, Meinungsvielfalt und professionell gemachte Medien.

An die Leser und Nutzer erfolgte der Appell, direkt beim Verlag der Zeitungen gegen Stellenabbau, Outsourcing und Leiharbeit in der Redaktion zu protestieren. "Sagen Sie deutlich, dass Sie keine Mogelpackung akzeptieren und dass die Berichterstattung in ihrer Zeitung auch künftig von Profis gemacht werden sosll" heißt es auf dem Flugblatt des DJV Landesverbandes Hessen.


M o r g e n 4. "Tarifrunde Zeitungen" in Hamburg


Zur vierten Runde der Gehaltstarifverhandlungen im Tageszeitungsbereich kommen am morgigen Dienstag in Hamburg die Gewerkschaften DJV und ver.di mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zusammen. "Wir erwarten von den Verlegern ein verhandlungsfähiges Angebot, das den freien und fest angestellten Journalisten an Tageszeitungen einen spürbaren Einkommenszuwachs sichert", forderte DJV-Verhandlungsführer Hubert Engeroff. In der letzten Verhandlungsrunde Ende September hatte der BDZV einen zweijährigen Gehaltstarifvertrag mit wenig mehr als zwei Prozent im ersten und deutlich unter zwei Prozent im zweiten Jahr angeboten. "Das reicht nicht einmal aus, um die Teuerungsrate auszugleichen", kritisierte Engeroff. Ein Tarifabschluss müsse dem ständig wachsenden Arbeitsdruck in den Zeitungsredaktionen gerecht werden. Darüber hinaus müssten die Online-Redakteure in den Tarifvertrag integriert werden. Der DJV-Verhandlungsführer machte klar, dass die Verlegeridee eines abgesenkten Tarifvertrags für Berufseinsteiger nicht verhandlungsfähig sei.


Heute erste Warnstreiks und Protestaktionen


Mit Nachdruck unterstützen auch Journalistinnen und Journalisten in mehreren Bundesländern in diesen Tagen die DJV-Verhandlungskommission. So fanden seit 20. Oktober an zahlreichen Zeitungsverlagen in Baden-Württemberg Warnstreiks statt, die mancherorts zu geringeren Zeitungsumfängen führten. In Frankfurt a.M. machten am Samstag in der Innenstadt Journalisten die Bürger auf die Tarifforderungen aufmerksam (siehe Bericht oben). Die Journalistinnen und Journalisten von 12 bayerischen Tageszeitungen wurden für den heutigen Montag zum Warnstreik aufgerufen. Und auch in Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein werden zahlreiche Zeitungen bestreikt. Zur zentralen Kundgebung von DJV und ver.di in Hannover kamen am heutigen Montag viele hundert Journalistinnen und Journalisten aus Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen. +++